500 Jahre Reformation: Europa gestalten – Veränderung wagen

Brüssel, 7. März 2017

Am Dienstag, dem 7. März 2017, hat das Europäische Parlament gemeinsam mit der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und der Brüsseler EKD-Vertretung die Konferenz zu “ 500 Jahre Reformation: Europa gestalten – Veränderung wagen!“ ausgerichtet. In Gegenwart von mehr als 150 Teilnehmenden aus dem Europäischen Parlament, der Europäischen Kommission und weiteren Organsiationen, eröffneten Maired McGuiness, Vizepräsidentin des Parlamentes und zuständig für den Dialog mit den Kirchen und Religionen, und Frans Timmermans, 1. Vize-Präsident der Europäischen Kommission, die Konferenz.

 

Timmermans hob die Bedeutung und Notwendigkeit der Fähigkeit zur Selbstkritik für alle Gemeinschaften wie auch der religiösen im Blick auf die eigene Geschichte hervor, um nicht denen zu folgen, die eine Vergangenheit glorifizieren, die es so nie gegeben hat. Ebenso sollte die Europäische Union sich kritisch befragen: Der Binnenmarkt, die gemeinsame Währung seien nicht Ziele der Union, sondern Instrumente, um Ziele wie den Respekt menschlicher Würde, Freiheit, Demokratie und Gleichheit zu erreichen, wie sie ursprünglich im Lissaboner Vertrag definiert wurden.

 

Die Konferenz wurde entlang zweier Podien organisiert. Auf dem 1. Podium diskutierten der Abgeordnete David McAllister (EVP), der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford Strohm, Eurgenio Bernardini, Moderator der Waldenserkirche aus Italien und Erzbischöfin Dr. Dr. h.c. Antje Jackelén von der Kirche aus Schweden. Thema war insbesondere, inwiefern das Erbe und der Erfolg der Reformation heute unter sehr veränderten Bedingungen beitragen kann, in Europa Veränderungen zu ermöglichen. Vor dem Hintergrund ihrer Herkunft aus unterschiedlichem kirchlichen Kontext in Europa stimmten die VertreterInnen der Kirchen darin überein, dass Reformation ein grenzüberschreitendes Geschehen sei und eine globale Perspektive von unterschiedlichen Regionen aus ermögliche. Erzbischöfin Jackelén erläuterte, dass eine spirituelle Nachhaltigkeit vonnöten sei, die Polarisierung, Protektionismus, Populismus und einer Post-Truth- Haltung widerspreche. Bischof Bedford-Strohm stellte heraus, dass Nationalismus eine Sünde sei, wenn Luther die Sünde beschreibe als die Haltung einer Person, die „incurvatio in se“ (in sich verkrümmt) sei, könne dies auch hinsichtlich des Verhaltens einer Gemeinschaft oder einer Nation verstanden werden, die nur noch auf sich selbst schaue. Moderator Bernardini brachte zum Ausdruck, dass Vielfalt und Diversität  in den letzten Jahrzehnten als ein Geschenk und eine Bereicherung in Europa entdeckt worden seien, die durchaus im täglichen Leben auch Herausforderungen mit sich brächten. Die Waldenserkirche habe gemeinsam mit ökumenischen Partnern und in Absprache mit dem italienischen Staat begonnen, sog. humanitäre Korridore für Flüchtlinge einzurichten. Dies solle als eine Weise des Geistes der Reformation verstanden werden, um der humanitären Katastrophe zu begegnen, die sich derzeit im Mittelmeer abspiele.

 

Bischof Dr. Michael Bünker, Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, Bischof Dr. Tamás Fabiny, Evangelische Lutherische kirche Ungarns, Pfr. Dr. Michael Jagessar, ehemaliger Moderator der Vereinigten Reformierten Kirche Großbritanniens, und die Abgeordnete und ehemalige finnische Premierministerin Anneli Jäätteenmäki (Fraktion der Liberalen) bestritten das 2. Podium. Hier wurde vor allem das Verhältnis zwischen Diversität, Differenzen und Einheit verhandelt, die die protestantischen Kirchen, aber auch Europa charakterisieren, wobei das politische Europa derzeit vor allem mit auseinanderstrebenden Fliehkräften zu tun hat. GEKE Generalsekretär Bischof Bünker erläuterte vor diesem Hintergrund das mit der Leuenberger Konkordie Erreichte, die ein gemeinsames Verständnis dessen entwickelte, was die verschiedenen protestantischen Kirchen verbindet. Ein Verständnis, das erlaube, Diversität und Pluralität zu bewahren, und eine ehrliche Widerspiegelung der Tatsache, dass die meisten protestantischen Kirchen in Europa Minderheitenkirchen seien. Bischof Fabiny unterstrich, dass das Reformationsjubiläum in der Evangelische Lutherischen Kirche Ungarns als ein europäisches, ja weltweites Ereignis gefeiert werde. Gegenwärtige Gefahren seien derzeit überall eine Nationalisierung von Religion und eine Sakralisierung der Nation. Dr. Jagessar unterstrich, dass der Artikel von der Rechtfertigung das Fundament schaffe, interkulturelles Leben in der Gesellschaft zu stärken, und eben auch die Gemeinden in England, Wales und Schottland zusammenzuhalten bei allem Wissen um die Differenzen bei der Referendums-Abstimmung über die EU.

 

Zum Abschluss der Konferenz fand im Europäischen Parlament (EP), veranstaltet von der EKD, der Kreativen Kirche und dem Abgeordneten Herbert Reul (EVP), eine Aufführung des Pop-Oratoriums „Martin Luther: Projekt der tausend Stimmen“ im Yehudi Menuhin Saal des EP statt. Anschließend wurde die protestantischen Kirchenvertreterinnen und -vertreter vom kürzlich gewählten Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Antoni Tajani, zu einem ersten Austausch empfangen.

Er hob die Bedeutung des europäischen Erbes für die Arbeit an der Zukunft Europas hervor. Bildung wie auch die Fähigkeit zur Beziehungspflege, wie sie Kirchen und Religionen anbieten, stellten eine Kraft gegen Nationalismus aund Populismus dar. Er begrüßte sehr die Möglichkeit, die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa zu treffen und sprach den Wunsch nach weiterem Austausch aus.

 

Foto: Erin Green/CEC (weiteres Bildmaterial verfügbar - Presseanfragen an geke(at)leuenberg(dot)eu) 

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