Kirche-Volk-Staat-Nation

Ein Beitrag zu einem schwierigen Verhältnis

Leuenberger Texte 7

Das vorliegende Heft setzt die Reihe der Leuenberger Texte fort, in denen Ergebnisse von Lehrgesprächen, Studien-Arbeiten und Konsultationen der Leuenberger Kirchengemeinschaft dokumentiert werden. Die Ausarbeitung über „Kirche–Volk–Staat– Nation“ wurde von der 4. Vollversammlung der Leuenberger Kirchengemeinschaft in Wien (3. bis 10. Mai 1994) in Auftrag gegeben. Den Delegierten jener Vollversammlung standen drei Sachverhalte vor Augen. Zum einen verlangten die ekklesiologischen Aussagen des Dokumentes „Die Kirche Jesu Christi“, das die Wiener Vollversammlung einstimmig verabschiedet hatte (s. Leuenberger Texte 1), nach weiteren Konkretionen. Besonders dringend erschien es, die Aufgaben der Kirche in den pluralistischen Gesellschaften Europas (Kapitel II der Kirchenstudie) weiter zu entfalten. Zum anderen hatten die politischen Umwälzungen der Wende von 1989, zumal im ostund mitteleuropäischen Machtbereich der ehemaligen Sowjetunion ein neues Nationalitätsbewusstsein geschaffen, das zum Teil zu mörderischen nationalistischen Konflikten führte (Zerfall Jugoslawiens). Schließlich galt es, einen besonderen Beitrag der Leuenberger Kirchengemeinschaft für die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz bereitzustellen. Dieser Aufgabe wurde von der Süd- und Südosteuropagruppe mit dem Thesenpapier zum Thema „Kirche, Staat, Volk und Nation“ nachgekommen.

Von den dramatischen Kontexten der mittel-, ost- und südosteuropäischen evangelischen Kirchen her lag es nah, die Regionalgruppe „Süd- und Südosteuropa“ der Leuenberger Lehrgespräche mit der Behandlung und Durcharbeitung der Thematik zu beauftragen. Die Regionalgruppe „Süd- und Südosteuropa“ hat sich in Jahren 1995–1998 intensiv mit dem Verhältnis „Kirche–Volk–Staat–Nation“ beschäftigt. Über den Erarbeitungsprozess gibt die Studie selbst in ihrer Einleitung Auskunft (S. 13ff). Nach der Bereitstellung des Thesenpapiers für die Grazer Ökumenische Versammlung entstand der erste Entwurf eines Votums im Jahre 1998 und wurde den Mitgliedskirchen der Leuenberger Kirchengemeinschaft zur Stel8 lungnahme zugeschickt. Aufgrund und in Aufnahme der eingegangenen Stellungnahmen konnte ein Ergebnistext fertiggestellt werden, der dann auf der 5. Vollversammlung der Leuenberger Kirchengemeinschaft in Belfast (19. bis 25. Juni 2001) diskutiert wurde.

Die Vollversammlung in Belfast hat das Dokument „Kirche– Volk–Staat–Nation. Ein Beitrag zu einem schwierigen Verhältnis“ mit Dank entgegengenommen. Dabei wurde festgestellt, dass dieses Dokument der Frage nachgehe, „wie das Verhältnis Kirche–Volk–Staat–Nation theologisch verantwortet zu verstehen und zu gestalten ist und was als Beitrag des Protestantismus zum Aufbau demokratischer Staatsformen in einem zusammenwachsenden Europa erwartet werden kann“. An die Mitgliedskirchen gewendet heißt es im Abschlussbericht der Vollversammlung: „Die Vollversammlung bittet die Kirchen, das Lehrgesprächsergebnis aufzunehmen und bei weiteren Arbeiten zum Thema ‚Kirche–Volk–Staat–Nation‛ zu berücksichtigen“.

Wilhelm Hüffmeier (hg./ed.)

ISBN 3-87476-397-8

2002 Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main

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