60 Jahre Römische Verträge

Eine Würdigung des Rates der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa

Kurz vor den Feiern zu 60 Jahre Römische Verträge am 25. März unterstreicht der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa die Bedeutung dieser Verträge für den europäischen Integrationsprozess. Die Verträge schufen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, aber ihre Präambel hob übergeordnete Ziele hervor, die heute noch relevant sind, wie z.B. „den Rückstand weniger begünstigter Gebiete [zu] verringern“ sowie „durch diesen Zusammenschluss ihrer Wirtschaftskräfte Frieden und Freiheit zu wahren und zu festigen“. In diesen 60 Jahren und mit der Weiterentwicklung zur Europäischen Union sind viele dieser Ziele erreicht worden.

Heute sind wir darüber besorgt, dass die Brüche, Gräben und Unterschiede unter den EU-Mitgliedstaaten, aber auch in den europäischen Gesellschaften in den letzten Jahren wieder dramatisch gewachsen sind. Es konnte bislang keine Gemeinsamkeit gefunden werden, wie mit Flüchtlingen und Migrantinnen und Migranten rechtmäßig und auf dem Boden gemeinsamer europäischer Werte umzugehen ist. Die wirtschaftliche und soziale Lage ist nach fast zehn Jahren Krise in manchen Ländern und Gesellschaften nach wie vor bedrückend und besorgniserregend. Die Menschen in Großbritannien haben mehrheitlich dafür gestimmt, dass ihr Land die EU verlässt. Menschen wenden sich von dem Einigungsprojekt ab. Politische Parteien werben damit und erhalten dafür Zuspruch, dass die Lösung der Probleme im eigenen nationalen Raum und in der Abwendung von der EU zu finden ist.

Demgegenüber bekräftigen wir, dass wir uns evangelisches Kirchesein in Europa nicht mehr ohne unsere Gemeinschaft der Kirchen aus ganz Europa denken und vorstellen wollen. Das Evangelium ruft uns zu, keine Angst zu haben und uns für ein friedliches Zusammenleben einzusetzen (John 14,1; Matthew 5,9). „Einheit in versöhnter Vielfalt“ ist zum Selbstverständnis der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa geworden. Dies ist eine theologische und geistliche Einsicht, in ihrer Praxis hat sie aber auch europäisch gesellschaftspolitische Bedeutung.  Wir sind für das politische Europa überzeugt, dass ein Rückzug allein auf eine wie auch immer definierte Nation keine Zukunft für ein friedliches und förderliches Zusammenleben in Europa und darüber hinaus hat. Die anstehenden Herausforderungen - ob Klimaschutz, die Nachbarschaft zu anderen Kontinenten und deren Entwicklung, ob der Umgang mit der Globalisierung und anderes mehr – verlangen nach europäischen Lösungen.

Der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa hat 500 Jahre Reformation auf seiner Sitzung in Wittenberg vom 17.-19. März 2016 gefeiert. Die Reformation hat den europäischen Kontinent tiefgreifend verändert. Nach den Spaltungen der Reformationszeit im protestantischen Raum sind wir dankbar für die Erfahrungen protestantischer, und darüber hinaus ökumenischer Gemeinschaft in Europa. Wir wissen und anerkennen durchaus, dass die Entwicklung zu dieser Gemeinschaft auch durch den politischen Aufbruch und Einigungsprozess in Europa nach 1945 bestärkt worden ist.

Im September 2018 wird die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa ihre 8. Vollversammlung in Basel in der Schweiz ausrichten und dort u.a. die Verbindlichkeit ihrer Gemeinschaft in Europa diskutieren und weiter ausformulieren. Wir sind dankbar für den Impuls des offenen Briefes der Konferenz Europäischer Kirchen „Zur Zukunft Europas“, der einlädt, eben diese Zukunft und den Beitrag der Kirchen dazu aktiv zu erörtern und voranzutreiben. Bestärkend ist ebenso der Impuls ganz unterschiedlicher kirchlicher, konfessions-übergreifender Gruppen und Personen, eine christliche Zusammenkunft in Europa („European Christian Convention“) zu organisieren, um das christliche Zusammenleben und gemeinsamen Glauben in Europa zu fördern – neben allen weiterem bestehenden Engagement christlicher europäischer Organisationen.

 

Der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa

Wittenberg, 18. März 2017

 

Foto: GEKE/B. Jaeger

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